Standard in der Hochseenavigation ist die Satellitennavigation, während Astronavigation die Rolle einer Notfallnavigation hat. Der aktuelle Standard dafür ist immer noch das Höhenverfahren des französischen Fregattenkapitäns Marcq Saint Hilaire. Ohne Frage war diese Arbeit damals eine epochale Leistung und hat die Navigation in der See- und Luftfahrt bis weit ins letzte Jahrhundert hinein geprägt. Die Ironie der Geschichte ist, dass es bis dahin unbekannte Praktiker, ein Handelskapitän und ein Seeoffizier waren, die mit ihrer sogenannten neuen Astronomie eine ganze Ära in der globalen Navigation begründeten, und damit die Arbeiten von damals weltbekannten Wissenschaftlern bis heute verdrängten, weil die zu rechenintensiv waren.
Jahrhundertelang haben Wissenschaftler, Seeleute, Handwerker und Gelehrte nach Methoden gesucht, um die Navigation in der Seefahrt sicherer zu machen und immer haben sie dazu die modernsten Mittel ihrer Zeit benutzt. Doch die Weiterentwicklung der Astronavigation kam mit der Einführung der Satellitennavigation zum Stillstand. Wenn jemand Astronavigation als Notfall Backup benutzen wollte, dann ist das bis heute nur mit diesem archaischen Höhendifferenzverfahren möglich. Gleiches gilt für Segler, die nur mal aus einer Laune heraus mit einem Sextanten unterwegs sein wollen. Segeln ist nun mal eine klassische Art zu reisen und dazu passt es durchaus, mit einem Sextanten zu navigieren.
Von den enormen Fortschritten der Computertechnik in den letzten Jahrzehnten hat die astronomische Navigation kaum profitiert. Computer-Apps, in denen das Höhenverfahren von Saint Hilaire digitalisiert worden ist, sind kein Fortschritt, sondern ein Festhalten an einem Provisorium. Das mag für einige respektlos klingen, ist aber plausibel. Hätte man im 19. Jahrhundert schon Computer gehabt, dann würde es das Standlinienverfahren von Saint Hilaire niemals gegeben haben.
Am Anfang des 19. Jahrhunderts waren Methoden bekannt, mit denen ein Standort auf See durch direkte Berechnung gefunden wird. Aufgrund ihrer Rechenintensität konnten sie in der Praxis aber nicht bestehen. Nur diesem Umstand allein ist es zu verdanken, dass sich das grafische Verfahren von Saint Hilaire weltweit etablieren konnte und das trotz seiner Einschränkungen.
Schon lange wäre es möglich, die grafische Methode des Saint Hilaire durch eine bessere analytische Methode zu ersetzen. Doch sie besitzt ein starkes Beharrungsvermögen und so wird lediglich versucht, die Einschränkungen dieser Methode zu kaschieren, was allerdings nur teilweise gelingen kann. Indessen nimmt die Kompetenz in astronomischer Navigation weiter ab, was dem fortdauernden Festhalten an den klassischen Methoden zugeschrieben werden muss. Das ist nicht nur schade, sondern auch bedenklich, denn Astronavigation ist die Methode der Wahl, wenn beispielsweise über ein Notfall Backup nachgedacht werden soll. Doch gerade dafür braucht es wirksamerer Methoden.
Die Aufgabe der Astronavigation besteht längst nicht mehr darin, die Satellitennavigation in einem Notfall vollumfänglich ersetzen zu können. Gebraucht wird eine neue Astronavigation, die bis auf die Benutzung eines Sextanten so einfach ist wie Satellitennavigation und sich auf die Sonne beschränkt. Eine praktische Lösung ist das Navigieren mit einer elektronischen Karte auf dem Display eines Mobiltelefons oder Tablets. Mond, Sterne und Planeten sind in einem Notfall nicht überlebenswichtig und die Sonne reicht auch, wenn jemand mal Lust dazu hat, mit einem Sextanten zu navigieren.
Eine neue Astronavigation braucht eine neue Lehre und die wird auf in dieser WEB-Seite ausführlich abgehandelt. Zahlreiche Abbildungen, Grafiken und Tafeln tragen dazu bei, dass insbesondere der theoretische und mathematische Teil des Inhalts verstanden werden kann.