Standard in der Hochseenavigation ist die Satellitennavigation, während Astronavigation die Rolle einer Notfallnavigation hat. Aktuell ist dafür immer noch das Höhenverfahren des französischen Fregattenkapitäns Marcq Saint Hilaire vorgesehen. Ohne Frage war das damals eine epochale Leistung und hat die Navigation in der See- und Luftfahrt bis weit ins letzte Jahrhundert hinein geprägt. Die Ironie des Geschichte ist, dass es bis dahin unbekannte Praktiker, ein Handelskapitän und ein Seeoffizier waren, die mit ihrer sogenannten neuen Astronomie eine ganze Ära in der globalen Navigation begründeten, und damit die Arbeiten von damals weltbekannten Wissenschaftlern bis heute verdrängten, weil die zu rechenintensiv waren.
Ohne Frage ist das Navigieren mit dem Sextanten unter Anwendung des klassischen Höhenverfahrens von Saint Hilaire ein schönes und romantisches Hobby und dient der Pflege der Tradition in der Seefahrt. Seine Durchführung ist allerdings mit einigem Aufwand verbunden. So müssen Formeln ausgerechnet und grafische Konstruktionen angefertigt werden. Außerdem müssen die aktuellen nautischen Unterlagen ständig an Bord verfügbar sein. Das Verfahren ist komplex und erfordert eine gründliche vorhergehende Schulung. Ohne jahrelange Aufrechterhaltung einer Routine geht die Fähigkeit seiner sicheren Anwendung auch schnell verloren.
Jahrhundertelang haben Wissenschaftler, Seeleute, Handwerker und Gelehrte nach Methoden gesucht, um die Navigation in der Seefahrt sicherer zu machen und immer haben sie dazu die modernsten Mittel ihrer Zeit benutzt. Doch die Weiterentwicklung der Astronavigation kam mit der Einführung der Satellitennavigation zum Stillstand. Wenn danach jemand Astronavigation als Notfall Backup benutzen wollte, dann ist das bis heute nur mit diesem archaischen Höhendifferenzverfahren möglich. Gleiches gilt für Segler, die nur mal aus einer Laune heraus mit einem Sextanten unterwegs sein wollen. Segeln ist nun mal eine klassische Art zu reisen und dazu passt es durchaus, mit einem Sextanten zu navigieren.
Die Computertechnik hat in den letzten Jahrzehnten große Fortschritte gemacht, in der astronomischen Navigation ist davon aber nichts angekommen. Man kann zwar auf zahlreiche Computer-Apps verweisen, in denen das Höhendifferenzverfahren von Saint Hilaire digitalisiert worden ist, doch das ist kein Fortschritt und schon gar keine moderne Computernavigation. Das ist ein Festhalten an einem Provisorium. Hätte es im 19. Jahrhundert schon Computer gegeben, dann würde es dieses Hilair’sche Verfahren, das damals aus der Not heraus geboren wurde, niemals gegeben haben. Lange vor Hilaire kannte man analytische Methoden. Die arbeiten präzise und frei von Restriktionen, dafür sind sie rechenintensiv. Doch nur das sind die echten Methoden, mit denen moderne Computer Navigationsverfahren entwickelt werden können, die bis auf die Benutzung eines Sextanten, so einfach sind, wie Satellitennavigation auf einem Kartenplotter. Nach mehr als drei Jahrzehnten Satellitennavigation sollte auch klar sein, dass Astronavigation nicht mehr in dem Umfang gebraucht wird, wie noch vor einigen Jahren. Durch Beschränkung auf unser Hausgestirn Sonne als Navigationsstern wird die astronomische Navigation dann auch in der Breite allen Nutzern zugänglich.